2020 | Lesezeit: 10 Minuten

Bewerben im Ausland: Stellensuche, Bewerbung, Chancen

Viele Bewerber interessieren sich für einen Job im Ausland. Worauf du bei deiner Bewerbung achten musst, erfährst du hier.

Bewerbung im Ausland

Deutsche Fachkräfte zieht es ins Ausland. Einer Umfrage der Jobbörse GULP zufolge, denken immerhin 61 Prozent der Informatiker darüber nach, sich außerhalb der eigenen Heimat einen Job zu suchen. 12 Prozent beziehen sich dabei sogar auf ganz konkrete Pläne. Nicht nur Arbeitnehmer wägen das Für und Wider solcher Unternehmungen ab. Auch große Firmen mit Sitz in Deutschland verlagern ihre Standorte und nehmen Teile ihrer Belegschaft gleich mit. Für alle anderen bietet sich damit ebenfalls die Chance, eine Stelle im Ausland zu ergattern.

Darum ziehen deutsche Unternehmen ins Ausland

Ob nach Australien, Spanien oder Polen: Das Auslagern von Firmen ist grundsätzlich mit Aufwand und hohen Kosten verbunden. Trotzdem bietet die Investition eine ganze Reihe von Vorteilen:

Auch für Arbeitnehmer bieten sich viele Chancen durch den Umzug ins Ausland – entweder als Teil der Zweigstelle oder aber bei einem völlig neuen Arbeitgeber. Neben der Aussicht auf ein höheres Gehalt spielen dabei vor allem diese Beweggründe eine Rolle:

Diese Vorteile beschränken sich natürlich nicht nur auf die Außenposten deutscher Unternehmen, sondern können potenziell auf jeden Arbeitgeber im Ausland zutreffen. Hier lohnt sich ein Blick auf das Unternehmen, den Standort und das jeweilige Jobangebot.

Welche Jobs gibt es für Deutsche im Ausland?

Sprachbarrieren erschweren die Zusammenarbeit, dennoch stellen Arbeitgeber im Ausland zum Teil gezielt Deutsche ein – nicht nur trotz, sondern auch aufgrund ihrer Deutschkenntnisse. So befinden sich die zentralen Kundendienste internationaler Konzerne immer öfter ebenfalls im Ausland. In diesen Fällen beantworten deutsche Mitarbeiter die eingehenden Anrufe aus ihrer Heimat. Dabei sitzen sie meist nicht in Berlin oder Hamburg, sondern in Dublin, Paris oder sogar außerhalb Europas. Die Kosten für die Unterkunft, die Krankenversicherung oder das Arbeitsvisum trägt in diesen Fällen mitunter das Unternehmen.

Wo große Konzerne ansässig sind, bildet sich schnell ein komplett neuer Arbeitsmarkt mit zahlreichen Nischen. Deutsche Teams brauchen natürlich Teamleiter. Hier finden Ausreisewillige häufig eine Gelegenheit, um lukrative Management- oder Abteilungsleiterposten zu besetzen. Aber auch außerhalb des Unternehmens entstehen in der Regel neue Jobs. Schließlich bringen viele Mitarbeiter ihre Familien mit, die wiederum Lehrer, Erzieher und andere Dienstleister benötigen.

In anderen Fällen geht es dem Arbeitgeber auch um die individuellen Fähigkeiten eines bestimmten Bewerbers. Das ist zum Beispiel in der Entwicklungshilfe der Fall. Besonders Fachkräfte in den Bereichen Medizin, Agrarwissenschaft oder Kartografie werden hier händeringend gesucht – und rund um den Globus eingesetzt.

Bewerben im Ausland

Wer über einen Job im Ausland nachdenkt, muss sich zuallererst nach geeigneten Stellenangeboten umsehen. Neben speziellen Anlaufstellen kannst du auch auf die Methoden zurückgreifen, die bei der Stellensuche üblicherweise zum Einsatz kommen. Allerdings müssen im Ausland einige Besonderheiten berücksichtigt werden.

Das gilt zum Beispiel für Initiativbewerbungen. Wie sinnvoll eine Bewerbung ohne konkretes Stellenangebot im Ausland ist, unterscheidet sich von Region zu Region. Während vor allem englischsprachige Unternehmen die Initiative als Zeichen von Motivation betrachten, gehen Personaler anderenorts gar nicht erst auf solche Versuche ein. In jedem Fall lohnt sich ein Blick auf die Gepflogenheiten des Arbeitgeberlandes.

Netzwerken

Bei der Bewerbung im Ausland spielen gute Beziehungen und Netzwerke eine entscheidende Rolle. Unternehmen möchten das Risiko und den Aufwand des Bewerbungsverfahrens natürlich minimieren und besetzen Stellen deshalb gern mit bekannten Gesichtern. Wer einen Bürgen vorweisen kann, hat es also deutlich leichter. So ein Kontakt liefert außerdem entscheidende Hinweise auf freie Stellen – vor allem, wenn es um interne Ausschreibungen geht.

Firmen im Ausland schreiben immer seltener Stellen aus und vergeben diese stattdessen intern. Andere nutzen wiederum sogenannte Recruiter, die Arbeitnehmer gezielt über ihre eigenen Netzwerke anheuern. Ein wachsender Teil der freien Stellen ist der Öffentlichkeit also gar nicht mehr zugänglich. Experten sprechen hier von einem versteckten Arbeitsmarkt, dem „Hidden Job Market“. Umso wichtiger ist es natürlich, die richtigen Beziehungen oder bereits einen Fuß in der Tür zu haben.

Internationale und lokale Jobbörsen

Auf internationalen Jobportalen findest du nicht nur Jobs in Deutschland, sondern auch im Ausland. Filterfunktionen erleichtern die Suche nach bestimmten Tätigkeitsfeldern oder Zielländern. Hinzukommen häufig kleinere Portale, die sich auf bestimmte Branchen fokussieren.

Der Vorteil dieser Plattformen ist vor allem, dass Unternehmen hier in der Regel für ihre Inserate bezahlen müssen. Es handelt sich also um echte Stellen – und keine Ausschreibungen, die nur pro forma verfasst wurden. Ebenfalls nützlich: die Speicher- und Nachrichtenfunktion der Portale.

Neben internationalen Anbietern gibt es aber auch lokale Jobbörsen. Oft stellen sie sich als unverzichtbar heraus, wenn es um die Stellensuche in bestimmten Regionen geht. Daher solltest du dich unbedingt über die zentralen Portale informieren, um möglichst nichts zu verpassen.

Stellenausschreibungen beim Unternehmen

Unternehmen mit Auslandssitz pflegen häufig ein eigenes Jobportal – zum Beispiel als Teil ihrer deutschen Webseite. Hier findest du nicht nur eine Übersicht über freie Stellen, sondern auch die passenden Bewerbungsunterlagen. Diese füllst du online aus und lädst sie zusammen mit weiteren Dokumenten, Zeugnissen und Zertifikaten hoch. Dafür gibt es in der Regel eine Funktion, die dem Anhang einer E-Mail entspricht sowie eine Liste der erforderlichen Unterlagen.

Karriereportale

Karriereportale ermöglichen das Anlegen eines eigenen Profils mit allen zentralen Daten. Personaler nutzen diese Plattformen, um nach geeigneter Verstärkung für ihr Unternehmen zu suchen. Mit etwas Glück und überzeugenden Referenzen kommt dein Traumjob so vielleicht von selbst zu dir. Dein Profil benötigt jedoch dauerhafte Aufmerksamkeit und Pflege, damit es auf dem neuesten Stand bleibt.

Die „Rückwärtssuche“ 

Es kann natürlich vorkommen, dass ein Arbeitgeber eine Stelle ausschreibt, die sich nicht exakt mit deinem Profil deckt. Von Nutzen ist diese Ausschreibung dennoch. So kannst du ihre Informationen verwenden, um neue Anhaltspunkte zu finden und mit deiner Jobsuche voranzukommen. Schau dir zum Beispiel an, wer zurzeit deine Wunschposition in diesem Unternehmen innehat. Wahrscheinlich hat die Person vorher in ähnlichen Unternehmen gearbeitet – möglicherweise im gleichen Tätigkeitsfeld. Vielleicht tut sich hier ja ein passendes Stellenangebot auf.

Diese Strategie bietet sich vor allem dann an, wenn der Stellenmarkt für längere Zeit keine passenden Angebote parat hat.

Bewerbung – Unterlagen und andere Gepflogenheiten

Sobald du das passende Inserat gefunden hast, folgt die eigentliche Bewerbung. Allerdings hat jedes Land bestimmte Eigenheiten, die beim Verfahren berücksichtigt werden müssen. Das zeigt bereits der Umfang der Bewerbungsunterlagen.

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Bewerbungsunterlagen im Ausland

  • Was in Deutschland noch als absolutes Minimum durchgeht, schießt in Polen zum Beispiel weit über das Ziel hinaus. Hier werden bestimmte Dokumente erst nach dem Bewerbungsgespräch übergeben – wodurch die Mappe zunächst schmaler ausfällt.
  • Ein Bewerbungsfoto ist in Deutschland fester Bestandteil der Bewerbung, in Australien ist es hingegen unüblich. Stattdessen erwarten Personaler hier handfeste Referenzen – Autoritätspersonen, die eine Auskunft über dich und deine Fähigkeiten geben können, wie dein ehemaliger Chef oder auch ein Lehrer.

Dabei handelt es sich natürlich nur um einige Beispiele. Viele Einzelheiten der Bewerbung und des Lebenslaufs unterscheiden sich – mal mehr mal weniger – von den Anforderungen eines deutschen Unternehmens. Ohne genaue Kenntnis des jeweiligen Bewerbungsverfahrens ist es also nahezu unmöglich, nicht in ein Fettnäpfchen zu treten. Eine ausführliche Recherche lohnt sich daher in jedem Fall.

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