Viele Eltern zögern bei der Erwähnung der Elternzeit im Lebenslauf. Sie haben Sorge, die berufliche Pause könnte von Personalverantwortlichen negativ ausgelegt werden. Diese Angst ist jedoch unbegründet. Rein rechtlich bist du zwar nicht verpflichtet, die Elternzeit zu nennen, da das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Angaben zur familiären Situation freistellt.
Lässt du sie aber einfach weg, entsteht eine erklärungsbedürftige Lücke in deinem Werdegang. Das wirft bei Personalern meist viel mehr Fragen auf als eine ehrliche und professionelle Angabe.
Elternzeit im Lebenslauf richtig angeben
Bevor du dich an die konkrete Formulierung machst, solltest du die formellen Grundregeln kennen. So stellst du sicher, dass deine Elternzeit harmonisch in das Gesamtbild deines Lebenslaufs passt.
Wie wird die Elternzeit im Lebenslauf angegeben?
- Kurz und sachlich halten: Gestalte die Angabe unaufgeregt und im exakt gleichen Design wie den Rest deines restlichen Werdegangs.
- Einheitliches Format nutzen: Nenne den Zeitraum immer im Format MM/JJJJ (z. B. 07/2023 – heute).
- Auf das Wesentliche beschränken: Verwende nur wenige prägnante Stichpunkte oder Sätze für diese Station.
- Fokus bewahren: Deine beruflichen Qualifikationen stehen weiterhin im Mittelpunkt. Die Elternzeit ist lediglich eine von vielen Stationen deines Lebens.
Wo wird die Elternzeit im Lebenslauf angegeben?
- Platziere die Elternzeit direkt im „Beruflichen Werdegang“ beziehungsweise unter „Berufserfahrung“. Auf keinen Fall gehört die Elternzeit unter „Sonstiges“ oder „Hobbys“.
- Da moderne Lebensläufe antichronologisch (aktuellste Station zuerst) aufgebaut sind, steht die Elternzeit ganz oben, wenn du dich direkt aus ihr heraus bewirbst.
Wenn du die Elternzeit im Lebenslauf einträgst, solltest du diese vier Kriterien beachten. Auf diese Weise vermittelst du Personalern ein klares Bild:
Wichtig: Ein moderner Lebenslauf ist meistens antichronologisch aufgebaut. Das bedeutet: Die aktuellste Station steht ganz oben. Wenn du dich also direkt aus der Elternzeit heraus bewirbst, erscheint diese Familienphase an erster Stelle in deinem Werdegang.
Für die zeitliche Abgrenzung gilt: Rechtlich gesehen beginnt die Elternzeit für Mütter erst nach dem Mutterschutz, während sie für Väter direkt ab der Geburt starten kann. Im Lebenslauf musst du diese Phasen jedoch nicht auf den Tag genau trennen.
Beispiele für die Elternzeit im Lebenslauf
Wie du die Elternzeit konkret formulierst, hängt vor allem davon ab, ob dein Arbeitsverhältnis während dieser Zeit bestehen blieb oder nicht. Die folgenden Praxisbeispiele zeigen dir die besten Darstellungsmöglichkeiten für verschiedene Lebenslagen. Du kannst sie als Vorlage für deine eigenen Bewerbungsunterlagen nutzen.
Laufendes Beschäftigungsverhältnis
Wenn dein Arbeitsvertrag während der Elternzeit ungekündigt weiterläuft und du dich aus diesem Verhältnis heraus bewirbst, integrierst du die Elternzeit einfach als Unterpunkt deiner aktuellen Stelle:
Seit 04/2012 | Sachbearbeiterin Einkauf, Muster GmbH
- Verantwortlich für die Lieferantenbetreuung und Rechnungsprüfung
- Seit 07/2023 in Elternzeit
Ohne bestehendes Beschäftigungsverhältnis
Bist du derzeit arbeitssuchend oder lief dein befristeter Vertrag während der Elternzeit aus? Dann wird die Elternzeit zu einer eigenständigen Station in deinem Lebenslauf:
07/2023 – heute | Elternzeit / Familienphase
- Aktive Erziehung und Betreuung des Kindes
Elternzeit mit Kind (inkl. Betreuungsstatus)
Möchtest du potenziellen Arbeitgebern direkt signalisieren, dass die Kinderbetreuung geregelt ist und du voll einsatzbereit bist? Dann kannst du einen kurzen, sachlichen Zusatz formulieren:
07/2023 – heute | Elternzeit
- Betreuung des Kindes (Ganztagsbetreuung ab 09/2026 gesichert)
Mehrere Elternzeiten
Warst du für mehrere Kinder nacheinander in Elternzeit, solltest du deinen Lebenslauf nicht mit vielen kleinen Unterbrechungen überfrachten. Fasse die Zeiten stattdessen elegant zusammen:
03/2019 – 08/2024 | Familienphase
- Elternzeit und Betreuung von zwei Kindern
Teilzeit oder Minijob und Elternzeit
Hast du während deiner Elternzeit in Teilzeit gearbeitet, ist das ein hervorragendes Signal für deine Einsatzbereitschaft. Gib hierbei unbedingt die wöchentliche Arbeitszeit an:
seit 07/2023 | Elternzeit
- Teilzeittätigkeit im Bereich Buchhaltung bei der Beispiel AG (15 Std./Woche)
Elternzeit und Weiterbildung / Ehrenamt
Wenn du die Zeit genutzt hast, um dich fachlich weiterzubilden oder dich ehrenamtlich zu engagieren, solltest du diesen Trumpf unbedingt ausspielen:
seit 07/2023 | Elternzeit & berufliche Weiterbildung
- Erziehung des Kindes
- Erfolgreicher Abschluss des Online-Zertifikatskurses „Digital Marketing“ (IHK)
- Ehrenamtliche Organisation und Kassenführung im örtlichen Sportverein
Welche Angaben zur Elternzeit gehören nicht in den Lebenslauf?
Manche Details sind reine Privatsache und schwächen deinen Lebenslauf, anstatt ihn zu stärken. Vermeide daher:
- Namen und Alter deiner Kinder (das lenkt vom Fachlichen ab)
- Detaillierte Haushaltslisten wie „Kochen, Windeln wechseln, Haushalt organisieren“ (das wirkt unprofessionell)
- Unbelegte Soft Skills wie „Durch die Erziehung bin ich nun extrem stressresistent“ (belege solche Stärken lieber durch konkrete Projekte oder Weiterbildungen)
- Veraltete Bezeichnungen wie „Hausfrau und Mutter“ oder „Hausmann und Vater“
Elternzeit aktiv und positiv darstellen
Ob eine Elternzeit im Lebenslauf positiv wahrgenommen wird, entscheidet oft die Formulierung. Mit der richtigen Wortwahl demonstrierst du Selbstbewusstsein, Struktur und Professionalität.
Die folgenden Begriffe helfen dir, deine Elternzeit aktiv und modern zu benennen:
- Familienphase/Familienzeit: Ein sehr etablierter, neutraler Oberbegriff. Er eignet sich besonders gut, wenn mehrere Auszeiten oder verschiedene Betreuungsaufgaben zusammengefallen sind.
Beispiel: „Familienphase (03/2021 – 08/2024)“
- Auszeit aus familiären Gründen: Klingt sachlich, professionell und unaufgeregt. Perfekt, wenn du die Phase kurz einordnen willst, ohne zu tief ins Detail zu gehen.
Beispiel: „Auszeit aus familiären Gründen (05/2024 – heute)“
- Familiäre Verpflichtungen: Diese Formulierung passt besonders gut, wenn du neben der Kindererziehung beispielsweise auch Pflegeaufgaben in der Familie übernommen hast.
Beispiel: „Auszeit aufgrund familiärer Verpflichtungen (10/2023 – 04/2025)“
- Elternzeit und berufliche Neuorientierung: Ein starker Begriff, wenn du die Auszeit genutzt hast, um deine Karriereziele neu zu definieren oder einen Branchenwechsel vorzubereiten.
Beispiel: „Elternzeit und berufliche Neuorientierung (seit 01/2025)“
- Elternzeit und Weiterbildung: Dein bester Schutz gegen das Vorurteil, dein Fachwissen sei während der Pause veraltet.
Beispiel: „Elternzeit & Weiterbildung: Teilnahme an webbasierten Fachseminaren im Bereich agiles Projektmanagement“
- Aktive Erziehungsphase: Dieser Begriff betont, dass du diese Lebensphase ganz bewusst, strukturiert und engagiert gestaltet hast.
Beispiel: „Aktive Erziehungsphase (08/2023 – heute)“
Tipp: Wenn du während der Elternzeit Fachliteratur gelesen, Online-Kurse besucht oder dich in Vereinen engagiert hast, verknüpfe diese Punkte aktiv mit deiner Elternzeit im Lebenslauf. So erstickst du potenzielle Vorbehalte wegen einer „Berufspause“ im Keim.
Wichtig: Sobald das Weglassen jedoch zu einer auffälligen zeitlichen Lücke in deinem Werdegang führen würde, solltest du die Elternzeit immer angeben.
Häufig gestellte Fragen
- Muss man die Elternzeit im Lebenslauf angeben?
Nein, es gibt keine gesetzliche Pflicht dazu. Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sind alle Angaben zu deiner familiären Situation vollkommen freiwillig.
- Sollte man die Elternzeit im Lebenslauf angeben?
Ja, in den meisten Fällen ist es ratsam, die Eltern im Lebenslauf anzugeben. Dadurch schließt du potenzielle Zeitlücken im Werdegang und schaffst Transparenz sowie Vertrauen. Das Kaschieren durch falsche Angaben (z. B. das Erfinden fiktiver Beschäftigungen) kann später sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen wie Abmahnungen oder Kündigungen nach sich ziehen.
- Zählt die Elternzeit als Berufserfahrung?
Nein, die reine Elternzeit wird nicht als klassische Berufserfahrung angerechnet. Sie schult jedoch wichtige Meta-Kompetenzen wie Organisationstalent, Belastbarkeit und Zeitmanagement – ganz besonders dann, wenn du die Zeit für Teilzeitarbeit oder gezielte Weiterbildungen genutzt hast.
- Wie erwähnt man die Elternzeit im Bewerbungsschreiben?
Im Anschreiben solltest du die Elternzeit nur sehr kurz und am besten im Schlusssatz erwähnen, wenn du dich direkt aus der Elternzeit heraus bewirbst (z. B. bezüglich deines frühestmöglichen Eintrittstermins). Im Fokus deines Anschreibens stehen immer deine fachlichen Qualifikationen. Liegt deine Elternzeit bereits länger zurück, gehört sie überhaupt nicht ins Anschreiben.
- Was sollte man nach der Geburt eines Kindes in den Lebenslauf aufnehmen?
Trage den exakten Zeitraum der Elternzeit, deinen Beschäftigungsstatus währenddessen sowie eventuelle Zusatzaktivitäten wie Teilzeitarbeit, absolvierte Fortbildungen oder ehrenamtliche Tätigkeiten sachlich und strukturiert ein.
- Sollte man „Elternzeit“ oder „Mutterschaftsurlaub“ sagen?
Verwende im Lebenslauf immer den offiziellen Begriff „Elternzeit“ (oder alternativ „Familienphase“). Der Begriff „Mutterschaftsurlaub“ existiert im deutschen Arbeitsrecht nicht und wirkt veraltet. Auch der Begriff „Erziehungsurlaub“ wird heute nicht mehr verwendet.
- Wie lange sollte man die Elternzeit im Lebenslauf angeben?
Gib die Elternzeit so lange an, wie sie für einen lückenlosen Lebenslauf notwendig ist. Liegt die Familienphase bereits mehr als fünf Jahre in der Vergangenheit und hast du danach wieder regulär gearbeitet, kannst du die Angabe weglassen.
- Muss man ein Beschäftigungsverbot im Lebenslauf erwähnen?
Nein. Ein Beschäftigungsverbot vor der Geburt basiert meist auf gesundheitlichen oder arbeitssicherheitstechnischen Gründen. Dies sind private, medizinische Details, die im Lebenslauf nichts zu suchen haben. Der Zeitraum wird einfach durch die normale Angabe deiner Beschäftigung abgedeckt.
Letzte Aktualisierung am 14.09.2026